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Gedanken

Auf dieser Seite findet Ihr meine Gedanken zu allen möglichen Themen außerhalb der Musik: Philosophie, Essen, oder auch die Philosophie des Essens und vieles mehr. Wie ich Musik sehe, ergibt sich aus meinem persönlichen Leben und kulturellen Hintergrund, der tief verwurzelt in der Geschichte Mitteleuropas ist.

13. Oktober 2024Musik

Piano Tech Radio Hour Podcast

I’ve been honored to be guest on this wonderful show…

It was a great pleasure to be a guest on this podcast. I spoke with Eathan Janney from Piano Technicians Masterclasses about my musical career, piano playing in musical theater, and modern composition and arranging.

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01. Februar 2024Musik

China Girl

It’s been quite an adventure to be part of this show…

Es gibt mal wieder beruflich etwas Neues: Für die Show „China-Girl" habe ich die Songs von David Bowie neu für unsere Band der Kulturen arrangiert. Derzeit spielen wir im Hamburger First-Stage Theater. Ab Mitte Februar sind wir auf Tour durch Deutschland und die Ostmark.

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13. Oktober 2023MusikPhilosophieReisen

Philosophie des Weins

Von Nietzsche stammt die wunderbare Erkenntnis, daß genau genommen jeder Mensch eigentlich seine eigene Philosophie hat.

Von Nietzsche stammt die wunderbare Erkenntnis, daß genau genommen jeder Mensch eigentlich seine eigene Philosophie hat. Es ist also gar nicht so entscheidend, ob sich da einer als Kantianer, Existentialist oder auch als Christ sieht. Das individuelle Leben prägt entscheidend die daraus entstehende praktische Philosophie des Individuums.

Doch trotz aller Individualität lassen sich gewisse philosophischen Grundlinien meiner Ansicht nach nur aus dem jeweiligen Kulturraum verstehen. Daher auch die Faszination und das gleichzeitige Unbegreifliche von westlicher zu östlicher Philosophie und umgekehrt.

Aber was prägt nun den Kulturraum genau? Klima, Geschichte, Gesellschaftsstruktur… alles gute und richtige Antworten. Aber als gebürtiger Mainzer fällt mir natürlich auch der Alkohol in Weinform ein.

So wie meine Kompositionen quasi ein musikgewordenes Mainzer Weinhaus sind (man setze sich zu komplett fremden Menschen an den 6er Tisch, trinkt Wein, ißt, redet mit allen und hat einen wunderbaren Abend mit neuen Eindrücken und eventuell neuen Freunden), so ist die Philosophie des rheinischen Katholizismus („Jedem Tierchen sein Plaisirchen" mit gleichzeitiger fundierter Ablehnung jedes Radikalismus) schwer denkbar ohne den Genuß von Weißwein.

Besonders klar wird dies bei der kurzen Reise von der weinanbauenden Vorderpfalz in die biertrinkenden Waldpfälzer Gegenden. Während das Temperament der Rheinpfälzer sehr bewegt, angeregt und der Aufgeregtheit und Quirligkeit angelehnt zu sein scheint, sind die Pfälzer der Anhöhen doch eher etwas gemütlich, unaufgeregt und brauchen ein vielfaches der Zeit, um sich aufzuregen oder auch zu erregen.

Dementsprechend ändert sich auch die Philosophie mit dem konsumierten Drogen: zu Hans-Georg Gadamer paßt das viel zu kleine Rotweinglas. Man spürt hier förmlich den Willen der Nachkriegsgeneration, nur kleine Brötchen zu backen. Noch mehr paßt hier nicht zusammen: Gadamer stammt ursprünglich aus Breslau. Doch nie erwähnt er etwas über das Schicksal der verlorenen Heimat. Er scheint sich oberflächlich angepaßt zu haben an das trollingerhafte Schicksal des kleinteiligen Baden-Württembergs.

In der Zeit des aus Stuttgart stammenden Hegels hingegen war der Trollinger noch eine vergleichsweise schwere aus Frankreich importierte Sorte, die auch das Denken in ungewohnt schwere Bahnen forderte. Wenn wir schon beim Trollinger sind: Gibt es nicht eine gewisse geistige Ähnlichkeit zwischen dem alles niederwalzenden Weltgeiste eines Hegels und dem moralischen Rigorismus der aus der selben Region stammenden Führer der RAF: Bader & Ensslin?

Ein Westpfälzer Biertrinker hätte sich zu solchem Gedankengut nie aufgetan: er wäre viel lieber in der natürlichen Musikalität des Kuseler Landstrichs geblieben, die sich in einem Talent wie Fritz Wunderlich besonders wunderbar ausbildete.

Die ganze Tragik Nietzsches kann man wiederum erst begreifen, wenn man seinen Geburtsort näher kennt: In der undefinierten Landschaft zwischen Weißenfels und Leipzig gibt nichts Kontur: Für Wein zu kalt, für Schnaps zu warm, muß man hier von fremden, unbekannten Genüssen träumen, denen man zwar nahe kommen kann, die aber letztlich nie Teil der eigenen Natur werden.

Hätte Nietzsches Denken das selbe Extrem gefunden, wäre er in Mainz geboren worden? Mit Sicherheit nicht. Näher wäre ihm dann mit Sicherheit der mit Apfelwein aufgewachsene und sich in den Rieslingweinbergen von Wiesbaden-Frauenstein verlustierende Goethe gewesen und er wäre geistig mehr beim dem Schoppenhauer und -stecher Schopenhauer geblieben.

Ein immerwährendes Rätsel bleibt natürlich Kant, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Doch wäre etwa Dostojevski oder Tolstoi denkbar ohne Wodka? Wie anders ist der Pragmatismus der englischen Philosophie erklärbar als durch warmes Bier? Und wer einmal die klarende Wirkung des japanischen Sake geschätzt hat, weiß noch mehr die scheinbar übermenschlich schwebende Wirkung der Zen Philosophie in sich aufzunehmen.

Alles in allem erweist sich allerdings, dass die Philosophie doch in den Gebieten des Weines, und um noch genauer zu sein, in den Weissweingebieten, zu ihrer wahren Blüte fand. Ob Albert Schweitzer aus dem Edelzwicker und Gewürztraminer Gebiet, Michel de Eyquem Montaigne aus Bordeaux, Rousseau aus Genf, Karl Marx aus Trier — der Weißwein verleitet anscheinend und inspiriert dazu, die westliche Art des Philosophierens zu befördern.

In diesem Sinne laßt uns das nächste Glas Wein auch im Namen der Philosophie zum Munde erheben!

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13. Oktober 2023MusikPhilosophieReisen

Charakter der Tonarten & Völker

In meiner Bibliothek steht noch ein antiquarisches Buch über den Charakter der Tonarten: eine sehr wissenschaftlich daher kommende Analyse aller vorhandenen Tonarten des Dur-Mollsystems des Abendlandes.

In meiner Bibliothek steht noch ein antiquarisches Buch über den Charakter der Tonarten: eine sehr wissenschaftlich daher kommende Analyse aller vorhandenen Tonarten des Dur-Mollsystems des Abendlandes. Dies war im 19. Jahrhundert eine sehr populäre Art der Betrachtungsweise, die auf diese Art eine Fülle von schönen Adjektiven zusammentrug, die die Hypothese untermauerten, daß die Wahl der Tonart durch den Komponisten quasi schon den Charakter des Stückes wesentlich bestimmt.

Als kleine Seitenbemerkung sei mir erlaubt: was damals als wissenschaftlich galt, gilt heute nicht mal mehr als diskutierbar.

Als kleines Gedankenexperiment möchte ich die Gelegenheit nutzen, den Charakter der Tonarten auf den Charakter der aktuellen Pandemiebewältigung zu übertragen. Als Leser internationaler Zeitungen finde ich es doch sehr faszinierend, wie so ein universelles Problem mit gänzlich unterschiedlichen Mentalitäten angegangen wird. Es zeigt sich, daß ein und dieselbe Krankheit je nach Kultur ganz unterschiedlich gesehen wird.

Prompt landet man bei einer Charakteristik der Völker, die sich gar nicht so stark entwickelt hat über die letzten hundert Jahre. Ich erinnere mich noch gut der Schadenfreude in Europa über die anfängliche Ohnmacht der Amerikaner zu Beginn der Pandemie. Vielen mußte ich damals sagen: „Wartet mal ab." Und siehe da: es hat sich gezeigt, daß die Qualitäten der Amerikaner auch in der Krise sich wieder von der besten Seite gezeigt haben: Eigeninitiative, Improvisationsgabe, Erfindungsgeist, Unternehmergeist. Und ähnlich wie die Japaner nach Pearl Harbour haben sich auch diesmal viele zu früh gefreut.

Um die etwas provokante Analogie zum 2. Weltkrieg gleich fortzuführen: Die Deutschen sind immer wunderbar in der Umsetzung eines Plans, den Sie kennen. Da ist man detailverliebt und zeigt einen großen Stolz auf die Unfehlbarkeit des eigenen Systems. Und das geht solange gut, bis nichts dazwischen kommt. Aber wehe, wenn! Dann funktioniert nichts mehr. Keiner zieht auf eigene Verantwortung etwas Ungeplantes durch. Alle warten auf den Führerbefehl, der nicht kommt. Und dann war leider schon Stalingrad.

Hat man in Deutschland mal ein funktionierendes System, dann ist es quasi unbesiegbar. Das betrifft genauso den Fußball wie den Maschinenbau und die Wirtschaft und Kultur im Allgemeinen. Was leider in dieser Phase der Unbesiegbarkeit vollkommen untergeht, ist die individuelle Stimme, der Platz fürs einfache Sein jenseits der unbarmherzigen Forderungen der Maschine Gesellschaft, die ohne Unterlaß auf das Individuum einschlägt.

Dies haben wir in all den Jahren seit der Wiedervereinigung erlebt: 5 Ländern, die früher mal ein Land war, hat man die Seele herausoperiert, so daß keine lokale Gastwirtschaft und Jugendklub mehr übrig geblieben ist. Ein gigantisches Reservat für eine überalterte Bevölkerung, die sich höchstens noch auf den Parkplätzen der ALDI-Supermärkte treffen kann.

Nun erleben wir, wie nach und nach dieses ganze System zusammenbricht und die ganzen offenen Fragen nach Sinn und Wert im Individuum und Gesellschaft aufbrechen läßt. Die Leere, die sich da auftut, wird für viele Menschen erschreckend sein. Eine Erkenntnis, die vielleicht dann kommen wird, ist, daß das geistige Leben in der Bundesrepublik Deutschland schon sehr lange verkümmert ist.

Ausgerechnet die Völker, auf die man bis dato immer etwas leicht herabgeschaut wegen ihrer scheinbaren Langsamkeit und Unorganisiertheit, zeigen sich als die Widerstandsfähigsten. Bei allem politischen Streit, den beispielsweise die Italiener aus Rom gewöhnt sind, zeigt sich in der Krise eine außergewöhnliche Gelassenheit. Ein Volk, daß den Einfall der Germanen und den Niedergang von Imperien so überlebte, daß die Geschichtsschreiber noch heute darüber streiten müssen, ob und wie das Römische Reich überhaupt untergegangen ist, weiß eine Pandemie in Relation zu anderen Krisen zu setzen.

Nicht zuletzt die Russen: Denkwürdig ist für mich immer noch der Satz eines russischen Tänzers bei einer Zimmerparty im Theater in St. Petersburg: „Wir Russen fangen keine Kriege an, wir beenden sie." Ein zugleich hartes, aber stolzes und herzliches Volk, das Extreme in Geschichte & Klima gewohnt ist.

Bei allen Vorurteilen und ungerechtfertigten Ängsten, die in so einer Zeit durch die Welt schwirren, ist es doch erstaunlich wie Menschen über alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg kooperieren können, sei es generell über Nachrichten oder sei es bei so etwas Komplexem wie der Entwicklung eines Impfstoffes. Eine der größten evolutionären Vorteile unserer Spezies bleibt doch der selbständig vorgenommene Perspektivwechsel.

Gerade im kleinen Europa hat man schon seit Jahrhunderten vom Austausch und von der Vielfalt der Lösungsansätze und kulturellen Besonderheiten profitiert. Das war immer die Stärke des Kontinents, der dadurch auch immer ein Kontinent der Ideen war, die auf kleinstem Raum florierten. Laßt uns alle hoffen, daß uns diese Fähigkeiten nicht verlassen!

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08. Oktober 2023MusikPhilosophieReisen

Der Sinn & Das Ich

Bei der unglaublichen Fülle an in die Tiefe gehender Gedanken bei Friedrich Nietzsche ist es schwer, einen Lieblingsgedanken zu finden.

Bei der unglaublichen Fülle an in die Tiefe gehender Gedanken bei Friedrich Nietzsche ist es schwer, einen Lieblingsgedanken zu finden. Einer, der dem sehr nahe kommt, ist Nietzsches Idee, daß bei genauer Betrachtung eigentlich jeder Mensch seine eigene Philosophie hat.

Sprich: das eigene Leben mit seinen Erfahrungen von frühester Kindheit an prägt die praktische Philosophie des Individuums in höchstem Maße. Passend dazu wird es dann entsprechend zu den passenden Texten & Begründungen hingezogen. Im besten Fall erweitern diese wiederum jene Privatphilosophie zu einer größeren und freieren Sicht auf die Welt.

Für mich prägend waren die Zerstörung des Lebens, von mir empfunden als Selbstzerstörung des eignen Lebens, am Beispiel meiner Mutter und meines Onkels Roland. Bedingt durch den Abstand der Generationen aus der Sicht des Kindes wird mir zwar immer die Komplexität Ihrer Leben zu einem Teil verschlossen bleiben und damit auch die Gründe für die innere Verzweiflung, die in beiden Fällen zu Alkoholsucht und körperlichem wie sozialem Niedergang führte, doch war mir intuitiv klar, daß dies ein gefährlicher Strudel war, dem ich mich kraftvoll entgegenstellen mußte.

Eine Quelle der Kraft, zu der ich mich im Leben immer wieder unterschiedlich stark hingezogen fühlte, ist der christliche Glaube. Im Alter von etwa 8-10 Jahren versank ich soweit darin, daß ich auch daran dachte, Priester zu werden. Mit der mir immer wieder zu eigenen extremen Entschlossenheit, die manchmal schwer von Fanatismus und Sturheit zu unterscheiden war, besuchte ich unter der Woche die Frühmesse noch vor Beginn der Schule und meditierte mich in das Beten des Rosenkranzes hinein.

Der zweite Weg in den Glauben führte nach Ende meiner Ehe & Familie und des damit einhergehenden Gefühls von einer gewissen Verlorenheit & Ungeerdetheit über die Musik von Bach. Mit einem Male war mir klar, wie die von mir komponierte Musik einen neuen Sinn gewann: In der Demut vor Gott und seiner Schöpfung. Dies, erschien mir, machte die Musik Bachs so groß vor vielen Anderen: Seine Bereitschaft, sein Talent nicht als Selbstzweck strahlen zu lassen, sondern sich selbst in gewisser Weise zu erniedrigen, um aus freiem Willen sich einen Rahmen zu setzen, zu dessen Vervollkommnung man nun seinen Beitrag leistet.

Auf diesem Grundgedanken aufbauend ließ ich mich nun führen und versuchte mich zu öffnen für den Weg, den Gott mir ausgesucht hatte. Und umso mehr das reale Leben auf mir lastete, sei es mit unglücklichen Beziehungen oder materiellen Sorgen, desto mehr gewann ich durch Meditation und Konzentration auf diesem nur im Verborgenen zu findenden Pfad. So begann in gewisser Weise das „Orchester der Kulturen" und noch mehr „Spirit of One" und der „Chor der Kulturen".

Mir erschien, daß das Unglück meiner Mutter und meines Onkels, und in gewisser Weise auch meines Vaters, einerseits dem Gefühl der Einsamkeit und Wehrlosigkeit entsprangen und auf der anderen Seite der Sehnsucht nach Bestätigung und Liebe. Alles menschlich absolut verständliche Sehnsüchte, die wohl jedem innewohnen. Doch was ist, wenn es keine Entsprechung auf der Außenseite der eigenen Person gibt?

Ich kann keinen anderen Menschen zwingen, meine Einsamkeit zu beenden. Wohl kann ich mein Leben jederzeit ändern. Doch was ist, wenn mir das Zutrauen dazu fehlt? Was, wenn das Zutrauen zu mir selbst fehlt? Es ist leicht, die mangelnde Liebe im eigenen Leben auf den Partner, auf Gott, auf die Gesellschaft zu projizieren, und bei mangelnder Erwiderung eben wiederum für das eigene Unglück verantwortlich zu machen.

Doch vielleicht liegt der Fehler schon in der Zerfransung der Sinnsuche? Auf so viele Wege verstreut sich die Sehnsucht des Ichs nach Bestätigung und Sinn des eigenen Lebens in der vagen Hoffnung, daß möglichst viele Bestätigungen einem das tägliche Aufwachen erleichtern.

Mir scheint da ein radikal einfacher Weg am Liebsten: Setze a priori, daß Deine Existenz einen Sinn hat. Setze a priori, daß jegliche Existenz einen Sinn hat. Es ist nicht mal entscheidend, was nun genau dieser Sinn sei: Erkenntnis, Schönheit, Wahrheit, Liebe…. All dies sind letztendlich nur Unterantworten für die starke Behauptung: Daß ich bin, hat einen Sinn. Welcher, das wird sich schon weisen…

Ähnlich, aber doch anders, ist Goethes Satz vom: „Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst," der allerdings Platz für eine leichte Absurdität offen läßt, da es sich um eine Erkenntnis eines Übergeordneten handelt, für die man in gewisser Weise die Verantwortung abgibt. Mir geht es um die willentliche Setzung des einzelnen Individuums: Ich erkenne, daß die Sinnsuche in jeglicher Form nur zu Unglück und Selbstzerstörung führt. Daher behaupte ich meinen eigenen Sinn.

Dieser Gedanke ist dann doch näher an dem viel gescholtenen Konzept des Übermenschen von Nietzsche. Es geht einher mit meiner Lebenserfahrung, daß bei allen Schwierigkeiten des Lebens, die einen leicht in Verzweiflung und Lebensmüdigkeit führen können, die Lösung letztendlich immer bei einem selber zu finden ist.

Das Gebet mag auch manchmal als Stoßgebet die erste Verzweiflung erleichtern und Hoffnung mag einen ein paar Schritte weiterführen. Doch gerade wenn man das christliche Konzept Ernst nimmt, daß der Mensch ein gottbegabtes Wesen ist, dann ist die höchste Wahrscheinlichkeit der Lösung jeglichen Problems in einem selber oder genauer gesagt in dem gottbegabten Teil unseres Wesens zu finden.

Und mag die Lösung auch noch so versteckt sein: die Überzeugung, daß der Ort des Problems (nämlich das Ich) auch seine Lösung birgt, ist die größtmögliche Kraft des eigenen Lebens. Und da in jedem von uns nicht nur das individuelle Leben zuhause ist, sondern auch die universale Kraft des Lebens, haben wir auch immer, wenn auch mitunter erschwerten, Zugang zu dieser den ganzen Kosmos umspannenden Urinspiration des Universums.

Jeder mag seine eigenen Wege entwickeln, um dorthin zu kommen: Ruhe, Natur, Meditation, Gebet, Musik, Kunst, Poesie.. sie alle öffnen Wege. Entscheidend ist die innere Überzeugung, selbst die Quelle der Kraft zu sein.

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08. Oktober 2023PhilosophieReisen

Kunst & Atheismus

Radikal gedachte & empfundener Atheismus führt in den Selbstmord.

Radikal gedachte & empfundener Atheismus führt in den Selbstmord. Daher sind wir meist von einem oberflächlichen Atheismus umgeben, der in seiner Dumpfheit dem Leben nur auf konventionelle Weise begegnen kann: Funktionieren in der Gesellschaft, Machen was alle anderen machen, Dinge und Menschen benutzen für die eigene Nützlichkeit.

Meine Kunst ist ohne Religiosität nicht denkbar. Religion in der Bedeutung des Wortes als Zurückgebundenheit. Dies impliziert fürs Erste noch nicht einmal die Bedingung der Existenz Gottes. Eher indirekt: dadurch, daß die Menschen und die Kultur, in deren Tradition ich mich sehe, Gott als unabdingbar für Ihr eigenes Werk gesehen haben.

Angefangen mit Bach, dessen Musik mich an einem entscheidenden Punkt wieder zur Religiosität und Tradition der abendländischen Musik & Kultur zurückgeführt hat. Seine Musik ist quasi klingender Gottesbeweis. Wenn man das so empfinden kann, ergibt sich daraus eigentlich alles andere.

Nun ist alles im Leben nur mit seinem Gegenteil wirklich erfahrbar und so spricht aus folgendem Satz von Hegel die andere Seite dieser religiösen Sicherheit: „Der Mensch ist diese Nacht, dies leere Nichts, das alles in Ihrer Einfachheit enthält, ein Reichtum unendlich vieler Vorstellungen … Dies ist die Nacht, das Innere der Natur, das hier existiert…reines Selbst…Diese Nacht erblickt man, wenn man dem Menschen ins Auge blickt — in eine Nacht hinein, die furchtbar wird; es hängt die Nacht der Welt einem entgegen."

Dieses leere Nichts kann man in sich selber entdecken oder in anderen Menschen. Zweiteres hat den Vorteil, sich vielleicht nicht ganz so tief mit den eigenen Abgründen auseinandersetzen zu müssen. Eine Anschauung dieser Seite bleibt aber meiner Ansicht nach keinem Menschen erspart, weder dem modernen noch dem der Voraufklärung in Europa noch dem anderer Kulturen. Die uns umgebende gesellschaftliche Kultur versucht uns oft von diesen Abgründen fernzuhalten mit ausgeklügelsten Mechanismen.

Wenn diese Methoden scheitern, sehen wir den einzelnen Menschen auf sich selbst zurückgeworfen. Was dann folgt, kann auch leicht in den Wahnsinn führen. Wenn nicht im Empfinden des Betreffenden, dann doch in der Beurteilung der umgebenden Gesellschaft. Sich aus dieser Einsamkeit zu befreien, erfordert eine radikale Neuordnung der eigenen Person. Kein leichtes Unterfangen.

Ist doch die umgebende Gesellschaft immer darauf bedacht, den Einzelnen in den Schutz der Konventionalität zurückzuholen. Dies schließt auch die konventionelle Religion mit ein. Die aber leider heute immer weniger an emotionaler Sicherheit dem Einzelnen geben kann, da auch sie zunehmend als Fremdkörper in einer besessenen Welt gesehen wird.

Tief empfundene Religiosität hingegen bedeutet, sich als Teil einer kulturellen Linie zu sehen. Das können die verwandtschaftlichen Ahnen sein, das können aber auch die geistigen Verwandten sein, die man sich selber sucht. Sie können einem entgegenkommen durch Ihre Bücher, Ihre Gemälde, Ihre Musik.

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08. Oktober 2023PhilosophieReisen

Beginn der Reise nach Mitteleuropa

Diesen Oktober habe ich mich zurück zu meinen familiären Wurzeln treiben lassen und unternahm eine kleine Reise über Marienbad nach Schlesien, der Heimat meiner Familie mütterlicherseits.

Diesen Oktober habe ich mich zurück zu meinen familiären Wurzeln treiben lassen und unternahm eine kleine Reise über Marienbad nach Schlesien, der Heimat meiner Familie mütterlicherseits.

Begonnen hatte alles damit, daß mir letztes Jahr klar wurde, daß ich nochmal als erwachsener Mann in die Heimat der Familie meiner Mutter reisen wollte & mußte. Im Gegensatz zu vielen Menschen in Deutschland, deren Vater oder Mutter vertrieben worden sind, war es mir vergönnt, die Heimat meiner Mutter noch als Kind kennenzulernen. Das hatte mit der besonderen Situation meiner Familie nach dem Krieg zu tun. Da das oberschlesische Industrierevier nah an der Grenze zu Polen lag, konnte man auch polnisch und entschied sich nach dem Krieg trotz der zahlreichen Repressalien dazubleiben.

So sprach meine Mutter auch perfektes Polnisch und hatte aus Ihrer Jugend auch zahlreiche persönliche Kontakte. So fuhren dann meine Eltern öfters ins kommunistische Polen durch die noch kommunistischere DDR, gaben meinen Vater Taubstummen aus, sammelten Kunstwerke polnischer Maler und viele andere Kostbarkeiten, die den am real-existierenden Mangelmaterialismus geschulten Zöllnern nicht als wertvoll galten.

Ich wurde dabei teils länger bei den Eltern eines Jugendfreundes meiner Mutter auf einem kleinen oberschlesischen Bauernhof gelassen, auf dem man so gut wie alles selber machte. Ich erinnere mich noch an das Butterfass, die Schweineschlachtung, die gigantischen Kühe, die ich per Hand molk, die furchterregend hysterischen Truthähne und nicht zuletzt die unheimlich tiefen Teiche hinterm Haus, die durch eingestürzte Steinkohlenstollen entstanden waren.

Als ich von der Absicht meiner Reise erzählte, gab es in Deutschland durchweg die selbe Reaktion: jeder hatte Verwandte in den ehemaligen Ostgebieten: ob Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland oder andere Gebiete. Jeder ermutigte mich, die Reise zu unternehmen, und jeder gab zu, daß er noch nie in der Heimat seiner Familie war.

Auch wenn ich nicht alle einzelnen Geschichten kenne: Ich kann es gut nachvollziehen. Das oft unausgesprochene Trauma der verlorenen Heimat, das viele erlittene damit verbundene Leid; all dies lud nie dazu ein, sich damit erneut auseinanderzusetzen. Stattdessen gab man oft auf beim Versuch der jüngeren Generation, von der älteren Generation etwas über die unbekannte Heimat im Osten zu erfahren.

Je weiter ich nach Osten fuhr, umso mehr merkte ich, wie wenig das stimmte. Fortsetzung folgt…

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23. August 2023PhilosophieReisen

Marienbad

Als ich mich auf der Landkarte meiner Erinnerung an die Namen der mondänen böhmischen Bäder erinnernd, entscheiden wollte, ob ich nun Karlsbad, Franzensbad oder Marienbad besuchen wollte, kam mir Goethe zu Hilfe.

Als ich mich auf der Landkarte meiner Erinnerung an die Namen der mondänen böhmischen Bäder erinnernd, entscheiden wollte, ob ich nun Karlsbad, Franzensbad oder Marienbad besuchen wollte, kam mir Goethe zu Hilfe. Die „Marienbader Elegie" war mir noch als Gedicht und als Episode aus seinem Leben bekannt. Und so fiel die Entscheidung doch recht schnell, unterstützt durch die einfache Erreichbarkeit von der Nürnberg-Prager Autobahn.

Die Oberpfalz, die man auf dem Weg nach Marienbad durchquert, ist beileibe nicht mehr so karg und arm, wie sie es vielleicht zu Zeiten des Komponisten Max Reger noch war. Gepflegte, kleine Ortschaften mit top modernen Gewerbegebieten sprechen beredt von dem dynamischen Wandel, den der ehemalige Agrarstaat Bayern erfahren hat.

Die nicht besetzten Grenzanlagen zur Tschechei sind für mich immer noch eines der Wunder der neueren europäischen Geschichte. Zu lebendig sind mir noch die fanatisch genauen und fast sadistisch anmutenden Grenzkontrollen des untergegangenen kommunistischen Regimes.

Dem Sudetenland hinter der Grenze merkt man dabei immer noch den Exodus der deutschen Bevölkerung an. Im Vergleich zu den restlichen Gebieten der Tschechei hinkt hier die Wirtschaft noch immer deutlich hinterher. Dünn besiedelt, mit oft leicht verfallenen kleinen alten Bauernhäusern durchsetzt, erlebt man andererseits hier eine Ruhe und Romantik der Landschaft, die drüben in Bayern hinter der hocheffektiven Geschäftigkeit meist schon längst verloren gegangen ist.

Der Zauber einer Landstraße mit den zarten Birkenbäumen ist schwer in Worte einzufangen. Wie Girlanden lassen sich die äußeren Äste hin- und herwehen und verdoppeln noch Ihre Wirkung, wenn sie sich im Wasser der nahen Weiher reflektieren. Man ist schon ganz in der Erwartung zurückgezogenen Landlebens, da erhebt sich Marienbad wie eine Fata Morgana des 19. Jahrhunderts in dieser geruhsamen Idylle.

Eine Grandezza, die unvergleichlich ist und neben der die anderen berühmten Kurorte Europas fast verblassen, erhebt sich zwischen den großen Wäldern der Gegend in einem wildromantischen Tal. Die Architektur überwältigt in Ihrem Sinn für Proportion und Schönheit. Unfassbar, wie die ganzen Tragödien des 20. Jahrhunderts dieser Welt so wenig anhaben konnten. Marienbad ist auch heute noch ein Sinnbild für das Schönste in der europäischen Kultur.

So paßt sich Goethes Marienbader Elegie in Ihrer heute fast grotesk wirkenden Altersverliebtheit, die sich dann aber zu unfassbarer Leidenschaft aufschwingt, wunderbar in dieses Kleinod zwischen den hohen Buchenwäldern Westböhmens ein. Der ganze Ort wirkt vollkommen entrückt von dem Informationsüberfluß und den gedachten oder gefühlten Katastrophen des 21. Jahrhunderts.

Am Sonntag gibt es eine zweisprachige protestantische Messe, wobei der Priester auch als Organist fungiert. Eine wahre Allzweckwaffe des Herrn, der sogar die Lieder vom Blatt für die Gemeinde in die richtige Tonart setzt. Viele Lieder sind zwischen den Kulturkreisen Europas gewandert und zeigen wieder einmal, wie eng dieser Kontinent miteinander kulturell verwoben ist.

Bei der Abfahrt am nächsten Morgen fühle ich erfrischt am Gemüt, ein Wort, das ich auch schon fast vergessen hatte. Es ist schwer zu wissen, was das größere Labsal war: die überall sprudelnden Mineralquellen oder das Gefühl, in der Heimat meiner eigenen Kultur angekommen zu sein.

Zum Abschluß noch ein paar Zeilen aus Goethes Marienbader Elegie: In unsers Busens Reine wogt ein Streben, sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben, enträtselnd sich den ewig Ungenannten; wir heißen’s: fromm sein! – Solcher seligen Höhe fühl’ ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.

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21. April 2021PhilosophieReisen

Eichendorffs Schlesien

Nach der Durchfahrt von Prag wird die Landschaft schnell weiter. Ein liebliches weites Land mit idyllischen Kleinstädten.

Nach der Durchfahrt von Prag wird die Landschaft schnell weiter. Ein liebliches weites Land mit idyllischen Kleinstädten. Spätestens hier liegt die Gedrängtheit Westdeutschlands in Bebauung und Lebensart weit hinter einem. Sicherlich, die Historie, die Art der Bebauung, ja selbst das Essen, machen einem weiterhin klar, daß man noch in Mitteleuropa ist. Doch es hat nicht mehr diese Geschäftigkeit und Hektik.

Beim Aufstieg ins Riesengebirge hat die Natur noch mehr Platz trotz einiger touristischer Orte. Der Zauber der Gegend in Ihrer wilden Urtümlichkeit ist erhalten. Wieder ohne Grenzkontrollen ins heute schlesische Polen nach Bad Warmbrunn. Der kleine Ort bei Hirschberg hat eine lange Geschichte als Kurort und glänzt mit einem wunderbaren großzügigen Park, der durch Schloß, Gastronomie und Theater eingehegt ist.

An den touristischen Tafeln im Ort kann man den veränderten Umgang mit der Vergangenheit nachverfolgen. Die älteren Tafeln aus kommunistischer Zeit versuchen die deutsche Geschichte zu negieren und bemühen sich unter größten Verrenkungen eine polnische Kontinuität herzustellen, die nicht da war. Die neueren Tafeln sind dankenswerterweise auch eine Referenz an die reiche deutsche Geschichte der Gegend.

Im Wirtshaus erbitte ich dann meine Referenz an die schlesische Küche meiner Jugend: Kartoffelpuffer mit Steinpilzen, dazu Krautsalat und als Konzession ans Erwachsenenalter dunkles Bier. Eine wunderbare Küche!

Am nächsten Tag folgt dann die für mich entscheidende Etappe hin nach Oberschlesien ins Industrierevier um Kattowitz, Gleiwitz und Zabrze / Hindenburg, die Heimat der Familie meiner Mutter. Das Geburtshaus meiner Mutter hat das umgebende polnische Wirtschaftswunder leider nicht mitgemacht. Wie eine aus der Zeit gefallene Mietskaserne aus dem 19. Jahrhundert steht es noch da, halb verfallen.

Doch was auffällt zu früher: man kann den Himmel sehen! Noch in den 80er Jahren waren nach einer halben Stunde Auto- oder Bahnfahrt die Scheiben voller Ruß und Dreck. Die Steinkohle zog in den Atem mit Ihrem beißendem Staub. Die Sonne sah man nie. Sonst ist es überall greifbar, wie groß der Fortschritt der letzten Jahrzehnte war. Viel davon von der EU finanziert. Doch wäre dies alles sinnlos geblieben, wenn sich nicht durch die Tüchtigkeit und den Fleiß der Menschen eine starke Wirtschaft gebildet hätte.

Noch ein paar kleine verwinkelte Straßendörfer, einige überraschende Hügel, die fast schon Berge sind, dann fährt man in Lubowitz ein, der Heimat des romantischen Dichters Joseph von Eichendorff. Die imposante Kirche aus rötlichen Ziegeln wurde 1907 geweiht, durch die Rote Armee geschändet, wie es in der Chronik heißt, und dann sukzessive wieder in all Ihrer Pracht hergerichtet.

Gleich beim anschließenden Pfarrhaus beginnen die Wegweiser zum Eichendorffschen Schloß, was leider nur noch als Ruine erhalten ist. Die Gedichte Eichendorffs in Deutsch und Polnisch weisen einem den Weg. Zuerst zum Friedhof, zauberhaft idyllisch gelegen, mit charaktervollen alten Bäumen gesegnet und den improvisiert daliegenden alten Glocken der Kirche.

Nur unmerklich größer als die anderen Gräber ist das Grab Eichendorff. Wenn man von seinem Grab aus auf das kleine verwunschene Tor schaut, das sich zwischen Gräbern und Bäumen leicht verwinkelt und schief der Außenwelt öffnet, kann man sich schon als Protagonist in einem seiner Gedichte fühlen. Erst recht, wenn man unter der nahen Eiche zum Schloß weitergeht. Eine Eiche, die schon über 200 Jahre hier wächst und alle Wirrungen der Zeit gelassen ertragen hat.

Der Schloßpark ist so verwunschen und zugewachsen, daß man sich in der Nähe von Dornröschens Zuhause wähnt. Kleine Frösche im Unterlaub genießen es, daß es so wenige Besucher hierherführt. Doch wer es schafft, wird mit dem Gefühl belohnt, etwas ewig Kostbares gefunden zu haben.

Wie Rüdiger Safranski so treffend in einem Interview mit der NZZ die Feuerwand des Nationalsozialismus beschrieben hat, die die Deutschen von Ihrer Vergangenheit trennt: hier ist man durch sie durchgetreten oder sie hat einfach keine Bedeutung mehr. Und es öffnet sich wieder etwas vollkommen verloren Geglaubtes: Das Volk der Dichter und Denker, jenseits von Ideologie und Nationalismus, jenseits von Schuld und Selbstverleugnung.

Und so beschließe ich den Tag bei Krautrouladen mit der merkwürdigen Erkenntnis, daß man ein ganzes Land mit 80 Millionen Menschen wie Deutschland am besten jenseits seiner Landesgrenzen findet.

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